Historischer Sieg in Bonn

ratiopharm ulm gewinnt souverän mit 69:87 (30:52) bei den Telekom Baskets Bonn und stellt mit seinem 25. Sieg in Folge einen 47 Jahre alten Rekord ein.

Shortcut 47 Jahre lange konnte das Meisterteam von Bayer Leverkusen den Rekord für die längste Siegeserie in der Bundesliga für sich allein beanspruchen. Seit dem 12. März 2017 gegen 17:07 Uhr ist das nicht mehr der Fall. Mit dem 25. Erfolg in Serie zieht ratiopharm ulm mit Leverkusen gleich und sichert sich neun Spieltage vor Beginn der Playoffs das Heimrecht in der ersten Runde. „Wie ich schon vor dem Spie gesagt habe: Wichtig ist, dass wir nun das Heimrecht im Playoff-Viertelfinale sicher haben. Der Rekord ist Beiwerk – wenngleich wir uns darüber natürlich auch freuen“, so Head Coach Thorsten Leibenath.  In einem Spiel, das bereits nach einem enorm starken zweiten Viertel der Ulmer (11:28) vorentschieden war, hatte ratiopharm ulm lediglich in den Anfangsminuten Schwierigkeiten mit den heimstarken Bonnern. Bei der erst dritten Heimniederlage der Rheinländer wurde es in der zweiten Halbzeit nicht mehr richtig spannend, sodass Head Coach Thorsten Leibenath Topscorer Raymar Morgan (19 Punkte/9 Rebounds) nur 23 Minuten auf dem Feld lassen musste. Bis auf Chris Babb (17 Pkt, 30:22 Min) und Da’Sean Butler (6 Pkt, 29:08 Min) kratzte kein Ulmer an der 30-Minuten-Marke. 

Keystats 36 Prozent gegenüber 13 Prozent – hört sich für einen Dreipunktewert beides nicht besonders toll an. Doch in den ersten 20 Minuten, als ratiopharm ulm sich seinen 20-Punkte-Vorsprung herausgespielt hatte, sah der Vergleich noch ganz anders aus: Ulms 57% von der Dreierlinie stand lediglich eine Bonner Quote von 14 Prozent gegenüber. In Absoluten Zahlen versenkten die Gäste sechs Dreier mehr als das Heimteam – was letztlich exakt der Anzahl an Punkten entspricht, die die Ulmer mehr als die Bonner erzielten.

Spotlight Wer weiß, was Raymar Morgan sich vor dieser Saison vorgenommen hat – nämlich das Spiel zu dominieren – der konnte auch erahnen, was der Topscorer am 25. Spieltag gegen Bonn vorhatte. Hatte Morgan gegen Vechta erstmals nicht zweistellig gepunktet, legte er in Bonn 19 Punkte (90% FG) und neun Rebounds auf – und setzte also seinen Vorsatz knallhart um. Weder der zuletzt starke Julian Gamble (6 Pkt), noch irgendein anderer Bonner konnten „das Biest“ bändigen. Neben dem starken Ulmer Offensiv-Kollektiv – aus dem Chris Babb mit 17 Punkten (3/10 Dreier) und Augustine Rubit (16 Pkt) herausragten – muss erwähnt werden, dass die Ulmer Verteidigung nur einen Bonner zur Normalform kommen ließ. Während Ryan Thomson 20 Punkte gelangen, blieb der bis dato zweitbeste Bonner blass: Josh Mayo erzielte lediglich 8 Zähler (2/10 FG). 

Play-by-Play

1. Viertel (19:24): Die „Dampfwalze“, wie Head Coach Thorsten Leibenath die Bonner vor Spielbeginn genannt hatte, trug in den Anfangsminuten den Namen Ryan Thomson. Der Bonner Topscorer hatte nach fünf Minuten bereits acht Zähler zur 11:9-Führung der Baskets beigesteuert. Als die Bonner dann noch ihren ersten Dreier (1/6) versenkten, waren sie erstmals ins Rollen gekommen. Doch bevor das Momentum vollends auf Bonner Seite wechselte, legte Augustine Rubit sechs Zähler in Folge auf, ehe zwei Ulmer Dreier (Morgan, Tadda) die 16:21-Führung für ratiopharm ulm markierten.

2. Viertel (11:28): Dann reichten den Gästen zwei Minuten in Viertel Nummer zwei, um den Vorsprung auf acht Punkte auszubauen (21:29). Eine Minute später waren es dann schon plus elf und nachdem Raymar Morgan Julian Gamble wie einen Statisten aussehen ließ und zum 23:36 ablegte, forderte Bonns Coach Predrag Krunic in der 14. Minute die Auszeit. Und das, was Leibenath von den Bonnern erwartet hatte – nämlich sein Team durch ihre Fire Power zu überrollen – übernahm nun seine Mannschaft. Mit insgesamt acht Dreiern (57%) in der ersten Hälfte netzten die Ulmer immer dann einen Distanzwurf ein, wenn sie ihn bauchten. Zwei davon versenkte Braydon Hobbs kurz vor der Halbzeit, ehe die Ulmer in einem Fastbreak ihre Dominanz demonstrierten: Vier Ulmer standen einem Bonner gegenüber, ehe Hobbs zum 30:50 ablegte.

3. Viertel (20:20): Dann wurde immer deutlicher, was Dieter Kubrella im Halbzeit-Interview gesagt hatte. „Die Bonner Verteidigung ist einfach zu weit weg von ihren Gegnern“, so das Mitglied der Leverkusener Rekordmannschaft von 1970. Und diese Lücken nutze im dritten Viertel insbesondere Braydon Hobbs, der entweder auflegte (6 Assists) oder selbst abschloss (12 Pkt). Bis auf 34:62 war ratiopharm ulm Bonn davon gestürmt, ehe einige Ulmer Unkonzentriertheiten die Bonner aufschließen (43:66, 28.) ließen und Leibenath zur Auszeit zwangen.

4. Viertel (19:14): Doch der defensive Wackler zum Ende des dritten Viertels sollte ohne Folgen bleiben. Denn Bonns zweibester Scorer Josh Mayo legte nach seinem ersten getroffenen Dreier nicht nach (1/7). Und da sich die Uuulmer im Viertel vier auf Chris Babb verlassen konnten – der 6 Punkte in Folge zum 56:79 auflegte – hatte sich am Kräfteverhältnis auch fünf  Minuten vor dem Ende nichts geändert. Und daran sollte auch ein kurzer Aufreger – nach einem unsportlichen Foul von Da’Sean Butler – nichts mehr ändern. Wenngleich die Zuschauer in der Folge des Fouls noch einmal in Rage gerieten und die Bonner bis auf 63:79 herankamen, behielten die Ulmer die Nerven und die deutliche Führung. Den letzten Ulmer Punkt dieses sporthistorischen Abends (69:87) erzielte schließlich Youngstar Joschka Ferner.

Quotes

Thorsten Leibenath (Head Coach ratiopharm ulm): „Bonn ist mit neun Siegen in Folge auf keinen Fall zu unterschätzen gewesen, zumal insgesamt erst zwei Mannschaften hier im Telekom Dome gewinnen konnten. Wir hatten die richtige Einstellung und die richtige Intensität. Wir sind sehr konzentriert in die Partie gestartet, haben weniger Flüchtigkeitsfehler im Angriff gemacht und über unsere Defense besonders im zweiten Viertel die Partie bestimmt; da haben wir auf Seiten Bonns kaum noch was zugelassen und haben uns offensiv gute Würfe erarbeitet. In der zweiten Halbzeit konnten wir nicht mehr ganz so viele Akzente setzen, wie wir es noch in der ersten Halbzeit getan haben. Es kam jedoch zu keinem Zeitpunkt das Gefühl auf, Bonn könnte zurück ins Spiel kommen.“

Predrag Krunic (Head Coach Telekom Basketball): „Die ersten Minuten liefen sehr gut, da hatten wir die richtige Konzentration. Besonders im zweiten Viertel war unsere Defense nicht mehr auf dem gleichen Level wie zu Spielbeginn. Ulm spielt sehr guten Basketball, sie sind offensive sehr stark, deswegen haben wir auch nur schwer zurück in die Partie gefunden. Wir waren nicht aggressiv und physisch genug, um gegen die Offense der Ulmer anzukommen. In der zweiten Halbzeit haben wir dann zwar ordentlich gekämpft, die Fans haben uns dabei auch fantastisch unterstützt, aber insgesamt hat unsererseits einfach die Kraft gefehlt, um Ulm zu schlagen.“

Good to know Es kommt nicht häufig vor, dass ein deutscher Basketball-Profi zu Gast in der ARD Sportschau ist. Um genau zu sein, liegt der letzte Besuch eines deutschen Basketballers am Kölner Wallraffplatz schon 13 Jahre zurück. 2004 war das, nachdem ein gewisser Dirk Nowitzki in der Köln-Arena bei einem Spiel gegen das US-Olympiateam aufgetreten war.  Danach? Lange nichts und jetzt – Per! Nach dem historischen Ulmer Sieg in Bonn war der Kapitän mit dem Kleinbus nach Köln gerast. Abgehängt hat er dabei übrigens auch „König Fußball“. Der eigentlich geplante Beitrag von der Partie Herta BSC gegen Borussia Dortmund wurde nicht gesendet. Wegen Per. Respekt – Nowitzki hätte das sicher auch gefallen.

Fotos Jörn Wolter

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